Nachhaltigkeit transparent machen: Die im November 2022 vom EU-Parlament verabschiedete Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verändert die Berichtspflichten grundlegend – auch für Unternehmen, die aufgrund der Kriterien nicht direkt betroffen sind. So gehört für viele berichtspflichtige Unternehmen unter anderem zu den Anforderungen, den CO2-Fußabdruck von Unternehmen zu berechnen. Ein Webmeeting im Rahmen der Veranstaltungsreihe Business NETZWERK Online-Kompakt bot jetzt die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.
Das große Interesse mit rund 30 teilnehmenden E/D/E Mitgliedern insbesondere aus dem Stahlhandel zeigt, wie sehr die Berichtspflicht und ihre Folgen die Unternehmen beschäftigen. Marc Gründler, E/D/E Leitung Mitgliedermanagement Business NETZWERK und Marktleistungen Nachhaltigkeit, führte in das Thema ein und gab einen Überblick zu den Nachhaltigkeitsleistungen im Verbund: „Im Fokus steht dabei, den Compliance-Aufwand für das einzelne Unternehmen zu reduzieren, die Regulatorik zu erfüllen und Chancen einer differenzierenden Marktpositionierung zu eröffnen.“
Über den aktuellen Stand informierte Enrico Moretti, Leiter des Steinbeis Beratungszentrums ESG und Nachhaltigkeit (Öhringen). Von den Berichtspflichten werden nach seinen Worten zahlreiche Betriebe auch indirekt betroffen sein: „Obwohl viele Unternehmen die Größenklassen nicht erfüllen und daher gesetzlich nicht verpflichtet wären, fordern Stakeholder wie Auftraggeber aus der Industrie oder Banken bereits heute Infos zu Aspekten der Nachhaltigkeit.“ Eine frühzeitige Vorbereitung sei daher notwendig, so Moretti weiter: „Es bleibt nicht mehr viel Zeit dafür.“
Handlungsdruck steigt Eine zentrale Maßnahme bildet dabei die Berechnung des CO2-Fußabdrucks: „Ohne Corporate Carbon Footprint ist alles nichts!“ Der CSR-Experte gab den Teilnehmern Einblicke in Berechnungsmethoden, in die Differenzierung von Scope 1 bis Scope 3 sowie die Nutzung verschiedener externer Quellen und Datenbanken.
Entscheidend ist es, sich schon heute mit dem CO2-Fußabdruck zu beschäftigen, um mit Blick auf die zukünftige CO2-Bepreisung vorbereitet zu sein, die CO2-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette zu reduzieren und sich so nach Möglichkeit Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
Intensiver Austausch
Der anschließende Erfahrungsaustausch unter den E/D/E Mitgliedern zeigte, dass sich viele Unternehmen bereits intensiv mit Berechnungen des CO2-Fußabdrucks sowohl auf Unternehmens- als auch Produktebene, also Corporate Carbon Footprint (CCF) und Product Carbon Footprint (PCF), beschäftigen. In ersten Bauausschreibungen würde die Angabe des PCF für Stahlprodukte mittlerweile gefordert, berichteten Teilnehmer. Teilweise sind CO2– Emissionsangaben von den Lieferanten zu bekommen, aber es bestehen auch Fälle, in denen über Schätzwerte aus externen Quellen und Datenbanken eine Annäherung erfolgen muss. Die Veranstaltung fand ein positives Feedback: Von „guten Informationen und einem interessanten Austausch“ sprach ein Teilnehmer, eine andere Person schätzt vor allem „die lebendige Diskussion und die Beispiele aus der Praxis.“